Viele alte Schützenscheiben bildeten schon immer den „Zeitgeist und somit die Zeitgeschichte“ bildlich und mit entsprechendem Text versehen ab. Einst wurden sie zu besonderen Anlässen beschossen und sind heute Erinnerungen an den Wänden unserer Schießstätten.
So auch diese Schießscheibe aus dem Jahre 1818, in unserem Schießhaus - 1811 erbaut - unterhalb der Hohen Warte.
Da hatte sich der Freudentaumel, 4 Jahre nachdem Napoleon bei Leipzig geschlagen war, noch nicht so richtig gelegt. Es war schwer zu fassen, dass dem Volke nach so langen Jahren endlich die so lang ersehnte Freiheit wieder erblühte.
Es ist der römische Gott Janus dargestellt, der 2 Köpfe hatte. Das eine Gesicht hat er in die dunkle Vergangenheit gerichtet, wo schwere Wolken am Himmel hängen und Speer und Schwert das Land regieren.
Das andere Gesicht blickt in die klare, lichte Ferne, wo das Morgenrot erstrahlt und Friede das Land beseelt:
„Vergangenheit gab uns den Kelch der Leiden, die Zukunft strahlt im Morgenrot der Freuden!“
Freudig und hoffnungsvoll erwarteten die Leute heiteren Sonnenschein und ein Leben in Glück und Wonne, denn vorbei war das Gewitter, das über den deutschen Landen getobt hatte.
Quelle: Dr. Christian Rotter, Chronik von 12.1934